Datenschutzhinweis

Wir verwenden Session-Cookies, um Ihnen ein optimales Webseitenerlebnis zu ermöglichen. Datenschutzinformationen

AblehnenAkzeptieren

Prävention wirkt – auch im Betrieb

AGP-Arbeitsgemeinschaft Prävention 12.02.2026 10:00

Verfasser: AG Prävention (Vera Schwermer-Funke), Lesezeit: 3 Minuten

Prävention am Arbeitsplatz – Unser professionelles Spielfeld erweitern

Rückenschmerzen, Nackenbeschwerden, Tendinopathien – wir sehen sie täglich in der Praxis. Viele dieser Beschwerden haben ihren Ursprung am Arbeitsplatz. Und häufig stellen wir uns dieselbe Frage:

Warum kommen Patient*innen erst, wenn das Problem bereits chronisch ist?

Als Physiotherapeut*innen verfügen wir über genau die Kompetenz, die es braucht, um Belastungen frühzeitig zu erkennen und präventiv zu handeln. Die Arbeitswelt bietet dafür ein enormes – und bislang nicht ausgeschöpftes – Handlungsfeld.

 

Arbeitsplatz: Belastungsraum oder Präventionsraum?

Ob Büro, Pflegeeinrichtung, Handwerk oder Industrie – Arbeit ist Bewegung. Oder Bewegungsmangel.

Typische Belastungsfaktoren:

  • Langandauerndes Sitzen oder monotone Haltungen

  • Wiederholte Bewegungen mit hoher Frequenz

  • Unzureichend angepasste Arbeitsplätze

  • Hohe physische und psychische Beanspruchung

Wir wissen: Nicht die einzelne Haltung ist das Problem – sondern fehlende Variabilität, mangelnde Belastungssteuerung und unzureichende Regeneration.

Genau hier liegt unsere Expertise.

 

Unsere Kernkompetenzen in der arbeitsplatzbezogenen Prävention

Physiotherapeutische Prävention am Arbeitsplatz bedeutet mehr als „Rückenschule im Betrieb“. Sie umfasst:

1. Funktionelle Analyse realer Arbeitsanforderungen

Nicht nur Haltung beurteilen, sondern Belastungsdynamik verstehen.

2. Individuelle Ressourcen- und Risikoeinschätzung

Screenings zur Identifikation von muskulären Dysbalancen, reduzierter Belastbarkeit oder Bewegungsmangel.

3. Aktive Intervention

  • Arbeitsplatznahe Übungsprogramme

  • Mikropausen-Konzepte

  • Belastungsdosierung

  • Edukation zu Selbstmanagement

4. Beratung von Unternehmen im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM)

Hier können wir als eigenständige Expert*innen auftreten – nicht als „Anhängsel“ anderer Professionen.

 

Warum wir dieses Feld stärker besetzen sollten

Prävention stärkt unsere Profession

Wir verlassen die rein reaktive Rolle und agieren proaktiv.

Prävention reduziert Chronifizierung

Je früher wir eingreifen, desto geringer ist das Risiko für persistierende Beschwerden.

Prävention schafft neue Versorgungsmodelle

Kooperationen mit Betrieben, digitale Angebote, Gruppenformate – hier entstehen innovative Tätigkeitsfelder.

Prävention ist gesundheitspolitisch relevant

Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Wir sind prädestiniert, Teil der Lösung zu sein.

 

Arbeitsunfähigkeit in Deutschland: Die aktuellen Zahlen

Allgemeiner Krankenstand
Die durchschnittliche Zahl der krankheitsbedingten Fehltage pro Beschäftigtem in Deutschland ist in den letzten Jahren gestiegen: Beschäftigte waren 2024 im Schnitt rund 17,7 Tage arbeitsunfähig – ein deutlicher Anstieg gegenüber etwa 14 Tagen vor der Pandemie.

Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE)
Laut dem AOK Fehlzeiten-Report 2025 entfielen rund 19,8 % aller krankheitsbedingten Fehltage auf Muskel-Skelett-Erkrankungen – das ist eine der größten Krankheitsgruppen in der AU-Statistik.

Rückenschmerzen spezifisch
Vorab-Daten der Techniker Krankenkasse zeigen: allein Rückenschmerzen führten 2024 zu rund 4,8 Millionen Fehltagen bei Erwerbstätigen in Deutschland.

Bedeutung für den Arbeitsmarkt
Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören landesweit zu den Top-Ursachen für Arbeitsunfähigkeit – sie tragen maßgeblich dazu bei, dass Beschäftigte über Wochen oder Monate ausfallen, was enorme volkswirtschaftliche Kosten nach sich zieht.

 

Praktische Ansätze für die Umsetzung

Für Kolleg*innen, die einsteigen möchten:

  • Kontaktaufnahme zu regionalen Unternehmen

  • Angebot von Arbeitsplatzanalysen oder Screeningtagen

  • Entwicklung kurzer, alltagstauglicher Bewegungsprogramme

  • Nutzung bestehender §20-Präventionsangebote (mehr dazu finden Sie hier)

  • Kooperation mit Krankenkassen im BGM-Kontext

Wichtig ist: Unsere Angebote müssen evidenzbasiert, strukturiert und professionell kommuniziert sein.

 

Perspektive: Vom Behandelnden zur präventiven Expert*in

Wenn wir Prävention am Arbeitsplatz ernst nehmen, verändern wir unser Berufsbild.

Wir werden:

  • Belastungsanalytiker*innen

  • Bewegungsstrateg*innen

  • Gesundheitsberater*innen

  • Partner*innen von Unternehmen

Prävention ist kein Zusatzangebot. Sie ist ein zentrales Kompetenzfeld unserer Profession.

Die Arbeitswelt verändert sich.
Die Frage ist: Besetzen wir dieses Feld – oder überlassen wir es anderen?

 

Quellen: https://www.tk.de/resource/blob/2194002/828793b4b4a5953abece5e4874ce79b9/gesundheitsreport-au-2025-data.pdf

              https://www.aok.de/fk/betriebliche-gesundheit/grundlagen/fehlzeiten/ueberblick-fehlzeiten-report/

              Bildquelle: Freepik

12.02.2026