Verfasser: AG Prävention (Vera Schwermer-Funke), Lesezeit: 4 Minuten
Krafttraining in der Prävention: Vieles wirkt – nicht nur das „eine richtige“ Konzept
Im Jahr 2009 veröffentlichte das American College of Sports Medicine (ACSM) eine der international einflussreichsten Leitlinien zum Krafttraining. Rund 15 Jahre später wurde diese Position nun umfassend aktualisiert. Die überarbeitete Stellungnahme basiert auf mehr als 130 systematischen Reviews mit Daten von über 30.000 Personen.
Die zentrale Botschaft bleibt dabei bemerkenswert eindeutig: Im Krafttraining existiert selten der eine überlegene Ansatz. Unterschiedliche Trainingsmethoden können vergleichbare Effekte auf Muskelkraft, Muskelmasse und funktionelle Leistungsfähigkeit erzielen.
Für die physiotherapeutische Praxis und insbesondere für die Prävention ist diese Entwicklung hochrelevant – auch im Kontext der Konzepteinweisungen der AG Prävention zu §20-Kursen, die es Physiotherapeut*innen ermöglichen, qualitätsgesicherte Präventionsangebote in ihren Einrichtungen aufzubauen und umzusetzen.
Kontinuität schlägt Perfektionsdenken
Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen der aktuellen Evidenz ist die geringe Überlegenheit einzelner „optimaler“ Trainingsmodelle. Verschiedene Programme führen in der Summe zu sehr ähnlichen Ergebnissen.
Damit verschiebt sich der Fokus deutlich:
Nicht die maximale Optimierung einzelner Variablen steht im Vordergrund, sondern die nachhaltige Integration von Training in den Alltag der Patient*innen.
Gerade im Rahmen präventiver Angebote wird deutlich: Entscheidend ist die langfristige Umsetzbarkeit, nicht die theoretisch perfekte Trainingsplanung.
Trainingsvariablen mit geringer Differenzierung
Mehrere in der Praxis häufig diskutierte Parameter zeigen in der Gesamtschau keine konsistenten Unterschiede in den Trainingsergebnissen. Dazu zählen unter anderem:
- unterschiedliche Periodisierungsmodelle
- Training bis zum Muskelversagen
- Time-under-Tension-Konzepte
- der Vergleich von Maschinen- und Freihanteltraining
Für die Trainingseffekte scheint weniger die konkrete Ausgestaltung dieser Variablen entscheidend zu sein, sondern vielmehr die Kombination aus regelmäßiger Belastung, ausreichender Intensität und kontinuierlicher Progression.
Was weiterhin als belastbar gilt
Trotz dieser Relativierung einzelner Details bestätigt die aktuelle Evidenz mehrere grundlegende Prinzipien des Krafttrainings. Positive Anpassungen zeigen sich insbesondere, wenn:
- mindestens zwei Trainingseinheiten pro Woche durchgeführt werden
- pro Übung mehrere Sätze absolviert werden
- mit moderaten bis hohen Lasten gearbeitet werden
- Bewegungen über den vollen Bewegungsumfang erfolgen
Für die Hypertrophie ist insbesondere das wöchentliche Gesamtvolumen ein zentraler Steuerungsfaktor.
Auch geringe Trainingsumfänge sind wirksam
Für die Prävention besonders bedeutsam ist die Erkenntnis, dass bereits niedrige Trainingsdosen messbare Effekte erzielen können. Dies gilt insbesondere für:
- Trainingsanfänger*innen
- ältere Patient*innen
- Personen mit begrenzter zeitlicher Verfügbarkeit
- Patient*innen nach längeren Trainingspausen
Fazit
Die aktuelle Evidenz zeigt klar: Krafttraining wirkt über viele unterschiedliche Wege. Die Unterschiede zwischen einzelnen Methoden sind häufig geringer als angenommen.
Für die physiotherapeutische Praxis und die Prävention bedeutet das: Trainingsprogramme sollten vor allem alltagstauglich, individuell anpassbar und nachhaltig umsetzbar sein.
Oder anders formuliert: Nicht das theoretisch perfekte Trainingsprogramm entscheidet über den Erfolg, sondern dasjenige, das Patient*innen langfristig durchführen.
13.04.2026
Quellen:
- Currier et al. (2026)
ACSM-Positionspapier zu Trainingsstrategien im Krafttraining zur Verbesserung von Muskelkraft, Hypertrophie und körperlicher Leistungsfähigkeit bei gesunden Erwachsenen. - Die Grundidee dieses Beitrags ist inspiriert durch Impulse aus der Experten Allianz.
- Bild: Freepik